Benjamin Fargen

Benjamin Fargen, Fotograf und Filmemacher aus Kalifornien

Zuerst möchte ich mich bei Benjamin, bedanken. Unter anderem auch seinetwegen gibt es diesen Blog auf meiner Webseite. Im September 2019 publizierte er ein Interview über mich auf Retrocameracool. Seine Leidenschaft für die analoge Fotografie, hat mich dermassen inspiriert, dass mir der Gedanke kam eine ähnliche Plattform für Interviews auf Deutsch ins Leben zu rufen.

Ich wünsche euch viel Spass beim Durchlesen des 4. Interviews auf Analogfilmfoto!

Du bist Gründer und Kurator von Retrocameracool, einer Plattform für analoge Fotografie. Ich habe den Eindruck, dass die analoge Fotografie in den letzten Jahren ein grosses Revival erlebt, vorwiegend in den Vereinigten Staaten. Siehst Du das auch so und was könnte aus Deiner Sicht der Grund dafür sein?

„Interessanterweise begann ich mit Retrocameracool etwa ein Jahr vor dem, was ich heute als eine «Explosion der Filmfotografie» betrachte. Ich glaube, diese Wiederbelebung rührt von unserem zutiefst menschlichen Wunsch her, „physische“ oder „greifbare“ Kunstformen zu schaffen und zu geniessen. Da sich unsere virtuelle Welt immer weiter ausbreitet, ist der Wunsch, die Dinge „im Moment“ zu erleben und zu erfahren, essenziell geworden. Die Filmfotografie kann die Aufmerksamkeit definitiv in einen Zen-ähnlichen Zustand versetzen, der die Zeit auf die eine oder andere Weise anhält. Allerdings darf man auch nicht das Gefühl der Nostalgie übersehen, das mit der Filmfotografie verbunden ist und das den Benutzer in eine Zeit zurückversetzt, die er als einfacher und scheinbar angenehmer empfindet als sein eigenes Leben.“

Wer oder was war Deine Inspiration für den Einstieg in die analoge Fotografie?

„Für die analoge Fotografie begann ich mich zu interessieren, da ich von vielen berühmten Fotografen und Freunden, die in der Branche arbeiten, stark inspiriert wurde. Ausserdem sehnte ich mich nach der Tiefe und dem Raum, den nur analoge Fotografien bieten. Einige der Ratschläge, die ich schon früh von Freunden erhielt, lauteten, für Kundenarbeiten digital zu fotografieren und für persönliche Arbeiten analog. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass ich eine vollmechanische Filmkamera mit manuellem Fokus verstehen und beherrschen musste, um ein wirklich kompetenter Fotograf zu werden. Ich habe festgestellt, dass ich damit tatsächlich die Grenzen meiner Fähigkeiten erweitert habe, jenseits von Annehmlichkeiten wie Autofokus, automatischer Belichtung und unbegrenzten Bildern. Ich glaube auch, dass es hilft, ein bestimmtes, absichtliches Ziel vor dem geistigen Auge zu haben, wenn man ein Bild macht.“

Hast Du auch beruflich mit der Fotografie zu tun, wenn ja, ausschliesslich digital oder machst Du auch analoge Projekte?

„Ja, ich arbeite beruflich als Fotograf und teile meine Zeit zwischen Dokumentarfilmen (die oft eine Mischung aus bewegten und unbewegten Bildern beinhalten) und einer Vielzahl kommerzieller Arbeiten, einschliesslich Lifestyle-, Porträt- und Markenfotografie. Für keine meiner aktuellen Arbeiten benötige ich analoge Bilder, aber ich würde sie gerne einbeziehen, wenn das Projekt es erfordert.“

Welche Kamera ist Deine absolute Traum-Analogkamera und warum?

Ahh… Die ewige und ultimative Frage (lacht). Ich glaube nicht, dass ich mich für eine entscheiden könnte, denn es gibt so viele Variablen bei jeder Ausrüstung. Ich bin insofern verwöhnt, als ich in den letzten 5 Jahren eine Vielzahl von klassischen Filmkameras benutzen konnte. Ich habe mich für einige wenige entschieden, die ich mein Leben lang behalten werde, darunter meine Leica M2, M3, Nikon F3HP und Mamiya RZ67.“

Fotografierst Du die Welt mit einer analogen Kamera anders als mit einer digitalen?

„Ja, es ist ein viel langsamerer Prozess, und es ist wahrscheinlicher, dass ich ein Bild nicht aufnehme, wenn ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin. Wenn ich analog fotografiere, verlasse ich mich auf ein seltsames Bauchgefühl, das bei digitalen Aufnahmen einfach nicht vorhanden ist.“

Wie planst Du Deine Aufnahmen? Gehst Du nach einer Art Konzept vor, oder fotografierst Du frei heraus? Suchst Du Locations im Voraus aus oder wählst Du spontan?

„Ein wenig von beidem. Ich arbeite derzeit an zwei langfristigen Fotobuchprojekten. Wenn ich mich auf den Weg mache, um an diesen Projekten zu arbeiten, gehe ich meine Liste der benötigten Aufnahmen und Ideen durch. Manchmal fahre ich aber auch einfach herum, bis ich eine interessante Gegend oder ein interessantes Motiv finde, das ich fotografieren kann.“

Welche Stadt oder Landschaft würdest Du gerne auf Film bannen?

„Ich möchte irgendwann einmal eine Fotoexpedition nach Nepal, Australien und schliesslich nach Japan unternehmen.“

Angenommen Du gehst auf eine Reise und müsstest Dich für einen einzigen Filmtyp entscheiden, welchen würdest Du wählen und warum?

„Eine weitere schier unmöglich zu beantwortender Frage für mich (lacht). Ich würde sagen, Kodak Ultramax400 und ich haben eine wirklich gute Beziehung. Es hat sich gezeigt, dass dieser Film mir einige interessante Bilder liefert. Für Schwarz-Weiss würde ich Ilford HP5 oder FP4 + wählen.“

Wenn Du drei grossartige Analogfotograf/innen nennen müsstest, welche drei wären das und warum?

Eine weitere knifflige Frage, aber lass es mich versuchen:

Robert Adams – Sein Gespür für die Schaffung von Raum und Tiefe in einer relativ alltäglichen oder einfachen Szene durch Monochromie ist einfach genial.

 Alec Soth – Ich finde seine Mischung aus Technik und skurrilen Motiven faszinierend. Ich kann nicht viele andere Fotografen aufzählen, die die Art von Bildern machen können, die er macht; sie erscheinen auf den ersten Blick einfach, sind aber bei genauerer Betrachtung so komplex und kraftvoll.

Steve McCurry – Einfach gesagt, die moderne Dokumentarfotografie wäre ohne seine Beiträge nicht dieselbe. Das Werk, das er unter Zwang und mit einer so rudimentären Ausrüstung geschaffen hat, ist umwerfend.

Erzähl uns von Deinem «Arbeitsablauf». Entwickelst und scannst Du Deine Filme selbst oder lässt Du in einem Labor entwickeln?

Zurzeit entwickle oder scanne ich meine Filme nicht. Ich habe mich zu Hause am Scannen von Negativen versucht und war frustriert, weil ich mich im Kreis drehte. Mir wurde bewusst, dass ich versuchte, lediglich das zu wiederholen, was das Labor mit der besseren Ausrüstung bereits erreicht hatte. Ich denke, ich werde mich später einmal an der Herstellung von Abzügen beschäftigen, wenn ich mehr Zeit dafür habe. Was die Bearbeitung angeht, so bin ich jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich mir zwischen der Auswahl und der Bearbeitung meiner Bilder gerne Zeit und Raum nehme. Sobald die Scans aus dem Labor zurückkommen, verschaffe ich mir einen schnellen Überblick und lege sie dann für mindestens ein paar Wochen beiseite.“

Vielen Dank Benjamin, es war mir ein Vergnügen Dich zu interviewen!

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