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Samuel Schmidt, Filmemacher und Fotograf

„Mein Name ist Samuel Schmidt, ich bin selbstständiger Filmemacher und Fotograf, lebe in Winterthur und bin mit einer Frau verheiratet, die einige meiner Leidenschaften teilt. Ausschlaggebend für die Fotografie war ein kleines allumfassendes Büchlein im Taschenformat, welches mir in die Hände geriet. Von Blende, Verschlusszeit über ASA Zahlen bis hin zu Zutaten und Mischverhältnisse für die eigene Herstellung von Fotochemikalien stand da alles drin. Ich fand das unheimlich spannend und habe mir damit das analoge Fotografieren selbst beigebracht. Das war vor etwa dreissig Jahren. Ich wünsche mir, ich hätte dieses Büchlein heute noch. Das klingt jetzt alles sehr technisch, ich bin aber ein Gestalter und kein Techniker. 

 

Beruflich filme und fotografiere ich hauptsächlich digital, die analoge Fotografie ist für mich mehr eine Rückkehr zum Ausgangspunkt, wo ich gestartet bin, eine Heimkehr sozusagen. Sie tut mir gut und hilft mir herunterzufahren, neben der beruflichen Hektik, Fotografie auch als Hobby und zur Entspannung zu betreiben.“

Wer oder was war Deine Inspiration für den Einstieg in die analoge Fotografie? 

„Die Liebe und Leidenschaft zur Fotografie begannen, als ich dazumal eine Ausstellung über Henri Cartier-Bresson im Museum für Gestaltung Zürich besuchte. Ich war von seinen Bildern tief berührt und wusste von da an, dass ich auch mit Bildern Geschichten erzählen will. Gelernt selbst Filme zu entwickeln und zu vergrössern habe ich dann in meinem Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst.“

Welche Kamera ist Deine absolute Traum-Analogkamera und warum?

„Eigentlich besitze ich die bereits, eine Nikon F2. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als mittelloser Student immer sehnsüchtig in das Occasion Schaufenster des Fotogeschäfts auf dem Weg zur Hochschule geschaut habe. Selbst Occasion kostete diese Kamera für mich ein Vermögen und ich fragte mich, ob ich jemals eine solche besitzen werde. Nun gehört mir eine und manchmal frage ich mich, ob ich mir nicht noch eine Leica M6 leisten sollte. Aber bis jetzt bin ich, mit der Nikon F2 (auch bekannt als der Leica Killer), absolut zufrieden. Zudem besitze ich noch ein kleines Schmuckstück, das ich immer in der Tasche mit dabeihabe, die Rollei 35 S.“

So wie ich das beurteilen kann, fotografierst Du analog hauptsächlich in Schwarzweiss. Was reizt Dich am schwarzweissen Bild?

„Hübsche Farben können schnell vom Motiv ablenken. Schwarzweiss ist absolute Reduktion auf Licht und Schatten. Lediglich Licht als Gestaltungsmittel zur Verfügung zu haben fordert mich und hilft, mir genauer hinzuschauen. Gute schwarzweiss Bilder verfügen über eine Dramatik, die schwierig ist, mit Farbbildern hinzubekommen.“

Wie und wo kommen Dir die Ideen für Deine Bilder, oder fotografierst Du spontan?

„Mit der Rollei fotografiere ich spontan, da verlasse ich mich auf gute Schnappschüsse, höchstens auf das Wetter achte ich mich. Wenn ich die Nikon zur Hand nehme, bereite ich mich etwas mehr vor. Da recherchiere ich im Vorfeld und suche mir gezielt architektonisch interessante Orte, Plätze oder Objekte aus. Auch da ist es natürlich wichtig, die Wettervorhersage zu kennen.“

Angenommen Du gehst auf eine Reise und müsstest Dich für einen einzigen Filmtyp entscheiden, welchen würdest Du wählen und warum?

„Um eine adäquate Antwort geben zu können, müsste ich wissen, wohin die Reise geht. Momentan fotografiere ich meistens mit Ilford PANF Plus oder Delta 100, ich mag feines Korn und hohe Kontraste, diese zwei Filme erfordern aber viel Licht. Wenn ich nicht wüsste, was für Lichtverhältnisse auf mich zukommen, würde ich wohl ein Delta 400 einpacken. Der lässt sich relativ breit pushen oder pullen, da kann nicht viel schiefgehen.“

Fotografierst Du die Welt mit einer analogen Kamera anders als mit einer digitalen?

„Ganz klar ja. Es ist die Entschleunigung und Reduktion, die mir dabei guttut. Ich habe maximal 36 Fotos zur Verfügung. Das bedeutet, ich knipse nicht einfach mal durch, sondern drücke wohlüberlegt ab, und erst wenn ich mir ganz sicher bin. Wenn ich dann in der Dunkelkammer bin, habe ich gewisse Zeiten einzuhalten und zum Teil repetitive Arbeitsschritte auszuführen, das alles beruhigt mich und schenkt mir Erholung vom hektischen Alltag. Analogfotografie kostet aber Geld, all die Filme und die ganze Chemie ist nicht günstig. Es gibt Leute, die geben viel Geld für einen Psychologen aus, Analogfotografie ist meine Therapie. Man kann sein Geld dümmer ausgeben.“

Bist Du beruflich ausschliesslich in der digitalen Welt „unterwegs“, oder machst Du für Kunden auch analoge Projekte?

„Bis jetzt noch nicht. Ich habe immer mal wieder Fotografie Aufträge, aber hatte noch nie einen Kunden der explizit analoge Fotos gewünscht hat. Meine Frau und ich hatten aber schon mal die Idee, dass wir ein Porträt Foto Paket anbieten, bei dem man nach dem Shooting beim Film entwickeln und vergrössern dabei sein kann, live vor Ort im Filmlabor Schmidt. Vielleicht sollten wir mehr Werbung dafür machen.“

Wenn Du drei grossartige Analogfotograf/innen nennen müsstest, welche drei wären das und warum?

„Ich mag alte Klassiker wie die bekannten Magnum Fotografen. Wie schon erwähnt allen voran Henri Cartier-Bresson, dann auch Elliott Erwitt oder der Schweizer René Burri. Sie haben die Geschichte der Fotografie massgebend geprägt und infolgedessen mich. Um einen zeitgenössischen Fotografen zu nennen, möchte ich Greg Williams erwähnen. Fotografiert zurzeit wohl nicht mehr analog, auch wenn er damit begonnen hat. Seine schwarzweissen Fotos beeindrucken mich, weil er ein treffendes Beispiel dafür ist, dass Fotografie nicht in erster Linie etwas Technisches ist, sondern viel mehr damit zu tun hat, wie man mit den Menschen umgeht. Auch wenn ich nicht unbedingt ein grosser Celebritiesfoto Fan bin, seine Fotos faszinieren mich, weil sich die Stars auf seinen Fotos von einer ganz persönlichen Seite zeigen. Es wirkt, als wären sie alle gute Kumpels von ihm. Das muss man erst mal hinbekommen.“

Ich habe den Eindruck, dass die analoge Fotografie in den letzten Jahren ein grosses Revival erlebt. Siehst Du das auch so und was könnte aus Deiner Sicht der Grund dafür sein?

„Ich denke, das hat zwei massgebende Gründe. Erstens ist das Leben immer noch analog und nicht digital, also zum Anfassen. Es ist etwas unbeschreiblich Schönes ein Foto in den Händen zu halten, das gänzlich aus der eigenen Küche stammt. Angefangen vom Film in die Kamera einlegen, über das Film entwickeln bis hin zum Vergrössern in der Dunkelkammer. Das Zweite ist die Farbqualität bei analogen Farbfilmen. Die Farben, die aus einer Digitalkamera kommen, benötigen immer etwas Nachbearbeitung. Mit Color Grading habe ich schon Stunden verbracht, um an die Farbenpracht etwa eines Kodak Films heranzukommen. Diese Zeit fällt bei Analogfilm völlig weg, denn die Farben sind einfach schon wunderschön.“

Erzähl uns bitte von einem analogen Traum-Fotoprojekt, das Du irgendwann gerne verwirklichen möchtest.

„Was die Fotografie anbelangt bin ich momentan glücklich mit dem, was mir vor die Linse kommt und lasse mich gerne weiterhin überraschen. Aber ich besitze noch eine analoge Filmkamera, von der ich lange träumte, eine Bolex H16 Reflex 5 mit einer tollen Angenieux f2.8 / 15 – 150 mm Cinema Linse. Drei Rollen Kodak Film, Chemie, um 16 mm Film zu entwickeln und den dafür benötigten Lomo Tank besitze ich ebenso. Eigentlich steht schon alles bereit, nur leider fand ich noch nicht die Zeit mich gewissenhaft diesem Projekt zu widmen.“

Vielen Dank Samuel, es war mir ein Vergnügen Dich zu interviewen!

 

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